Manilabericht-Herbst 2010

Liebe PHILGER-Freunde,
 
Sie wissen, dass ich mich kurzfristig entschieden hatte, nach Manila zu fliegen, um dort vor Ort drei  wichtige Punkte zu klären. Alle drei Punkte sind in Arbeit.
 
Dass ich ein noch ein größeres Problem zu lösen hatte, ahnte ich zu Hause noch nicht. Als ich in Manila ankam, waren die Container noch nicht angekommen, denn das Schiff hatte 10 Tage Verspätung. Als ich dann die Vorabrechnung sah, war klar, dass große Probleme geben würde.
 
Zur Sicherheit fragten wir am 25.10. zuständigen Buero in Manila wegen meines Briefes, den ich im August dem neu gewählten Präsidenten Aquino vorsichtshalber schon mal zugeschickt und ihn um Unterstützung für unsere Hilfslieferung gebeten hatte, denn ich kenne mittlerweile die Schwierigkeiten mit den Zollbehörden in Manila.
 
So einfach war das natürlich trotzdem nicht. Dank der Empfangsbestätigung vom Professor Zachau, fand man den Brief nach einer Stunde in der Ablage; der Brief war Ende August persönlich von Prof. Zachau abgegeben worden). Professor Zachau bestand auf einem schriftlichen Ersuchen an den Zoll, was dann auch nach vier weiteren Stunden zugestanden worden ist. Man werde das Schreiben zum Finanzministerium, zum Zollamt und an uns schicken.
 
Freitag und Samstag kam kein Brief. Da am Montag ein Feiertag war, würde der Brief eventuell erst Dienstag ankommen. Aber das war uns zu unsicher. Somit ging Professor Zachau und seine Begleiterin Aiza dela Costa (seine zukünftige Frau) am Dienstag wieder zum Präsidentenoffice und verlangten eine Kopie, um schneller bei den Behörden voran zu kommen. Nach vier Stunden hatten sie die Kopie in der Hand. Wir gingen dann gemeinsam zum Finanzministerium. Da ging es noch ziemlich flott. Nach drei Stunden war alles erledigt.
 
Von da ging es dann zur Reederei, wo man uns schon erwartete. Obwohl man sich sehr große Mühe gab und wir noch einige Tipps erhielten, war es für das Zollamt schon zu spät. - Da es mir zu anstrengend war, ging ich am nächsten Tag, dem Mittwoch, nicht mit zum Zollamt.
 
Abends erklärte man mir, dass sie in mindestens in 35 Büros waren und trotzdem nicht fertig geworden sind. Am Donnerstag, den 4.11. gingen sie wieder ganz früh zum Zollamt. Es musste noch gezahlt werden, denn ohne die Quittung bekommt man die Container nicht aus dem Hafen. Ab jetzt wurde es abenteuerlich, ich nenne es schlich unverschämt.
 
Um 10 Uhr konnten sie die fälligen Gebühren bezahlen, denn die Quittung ist ja ganz wichtig. Wieder wurden Sie von einem zum anderen Buero geschickt. Mittlerweile war es Mittag, und da kennen es die Beamten auch nichts anderes als in Deutschland: Buero zu, Mittagspause.
 
Im Apartment habe ich „auf heißen Kohlen gesessen“, denn jeder Tag im Zoll kostet Standgebühren für die beiden Container, auch wenn es Hilfsgüter sind. Mittags um 12 Uhr bekam ich dann eine SMS, dass die Container um 14 Uhr raus kommen könnten. - Ich machte mich sofort auf den Weg nach Smokey Mountains. Erst mit der Bahn bis Quezon Nord, dann kann man nur noch mit einem Jeepney, mit dem Taxi oder zu Fuß weiter kommen. Bei den Jeepneys, wusste ich nicht welchen ich nehmen sollte und zu Fuß in der schwuelen Luft fand ich nicht gut, da ich bestimmt 2-3 Stunden brauchen würde, also entschied ich mich für ein Taxi.
 
Das war gar nicht so einfach. 1. Taxi: Bitte Smokey Mountains; die Antwort: No.
Dann das 2., 3., 4., 5., 6., 7. Taxi. Immer hörte ich immer nur: No.no. Dann platzte mir der Kragen (denn eigentlich dürfen die Fahrer keine Fahrten ablehnen). Ich holte meine Kamera raus und fotografierte alle Nummernschilder und beschwerte mich bei ein Sicherheitsmenschen, die immer vor einem Einkaufszentrum oder Geschäft stehen. Da kam das letzte Taxi vorgefahren und brachte mich zähneknirschend zur SM-Station, vermutlich auf Umwegen, damit ich auch gut bezahlen musste. Sie sehen daran, was das für eine Gegend ist, wenn Taxifahrer noch nicht einmal am helllichten Tag dahin fahren wollen.

Unterwegs bekam ich wieder eine SMS: Container könnten eventuell bis 17 Uhr raus kommen. Naja, mittlerweile angekommen, habe ich mit Father Sabado bis 14.30 Uhr gewartet. Dann erklärte er mir, er müsse auf eine Beerdigung.
 
Mittlerweile knurrte mein Magen. Wo jetzt etwas zu Essen her bekommen? Von meiner Frau hatte ich strikte Anweisung, nur aus den Geschäften und nicht auf der Straße Essen und Trinken zu kaufen .800 m weiter war zwar ein neuer Laden aufgemacht worden, aber ich wollte ja die Ankunft der Container nicht versäumen. Also machte ich in der zwischen Zeit das fertig, was normalerweise in Deutschland schon fertig wäre, die Lagerplätze. Ich ließ überall die Namensschilder anbringen und etwas aufräumen.
Aber die Container kamen und kamen nicht.
 
Es war 17 Uhr und Prof. Zachau kam mit den Begleitern und erzählte mir, wenn wir Glück hätten, würden die Container um 19 Uhr kommen. Ok sagte ich, dann gehen wir schnell etwas Essen, denn keiner hatte außer dem Frühstück etwas gegessen. Die Idee wurde begeistert aufgenommen, denn wer einlädt, muss auch bezahlen. Während des Essens erzählten Sie mir haarsträubende Geschichten von den heutigen Büroerlebnissen.
 
Man hatte ja seit 13 Uhr auf die wichtige Quittung gewartet. Die erste Sachbearbeiterin nach der Mittagspause, es war ca.13.45 Uhr,  fragte im barschen Ton was Sie denn wollten. Die Gebühren seien schon lange bezahlt und ohne die Quittung bekomme man die Container nicht. Gehe jetzt nicht, sie würden doch sehen, wie kaputt und müde sie sei. Sie sollten draußen warten, Sie müsse erst etwas schlafen. In einem anderen Buero dauerte es auch etwas laenger, da fragte man die Dame höflich, ob man sich die Stühle zum Sitzen nehmen könne. Sie erklärte unseren Leuten, es wäre nicht ihre Aufgabe für Sitzgelegenheiten zu sorgen, sie mögen doch stehen bleiben. Ich muss Ihnen sagen, im Nachhinein war ich froh nicht mitgegangen zu sein. Entweder wäre ich mit einem Herzinfarkt ins Krankenhaus gekommen oder wegen Randalierens ins Gefängnis.
 
Um 16.45 Uhr bekamen wir von unseren Verbindungsmann eine SMS die Container kommen jetzt. Da der Hafen nur 10 Minuten Fußweg von SM-Station entfern ist gingen wir sofort hinüber zur SM-Station.
Dort angekommen mobilisierte ich die Helfer. Aber wo blieben die Container und wo war Father Sabado. Endlich um 19.35 Uhr bog der erste Container um die Ecke.
Man erklärte uns es war „viel Verkehr“.
 
Die Freude war Riesen Groß. Aber mittlerweile war es stockdunkel und das bisschen Licht hellte auch nicht auf. Ich dirigierte ihn genau da hin, wo ich Ihn hinhaben wollte. Wir entluden den Container innerhalb einer Stunde im Schein einiger  Taschenlampen. Es war manchmal nicht einfach.
 
Da früher  die Empfänger  ihre Kartons mühselig aus einem Haufen gestapelter Kartons heraus suchen mussten, ließ ich sie dieses Mal gleich nach Namen sortierten. - Aber wo blieb der 2. Container? Ans Telefon ging keiner mehr. Also schickten wir einen Motorradfahrer los, um nachzuschauen.  Er kam auch nach 30 Minuten zurück und erklärte uns, der komme gleich: „Viel Verkehr!“.
 
Um 23.50 Uhr kam endlich der der 2. Container den wir auch innerhalb einer Stunde abluden. Ich/ wir waren alle kaputt. Einmal die Wärme, aber schlimmer war die hohe Luftfeuchtigkeit. - Eine alte Deutsche Eiche war kurz vor dem Umfallen.
 
Da ja die Gegend nicht ganz ungefährlich war, baten wir einen Helfer uns ein Taxi zu holen. Auch Father Sabado war noch nicht zurück. Welch eine Freude, ein Taxi bog um die Ecke.
 
Wir packten unsere Sachen in den Kofferraum, aber gleichzeitig erklärte er uns, er möchte den 3-fachen Preis haben. Wir schauten uns an und holten unsere Sachen wieder aus dem Kofferraum und schickten das Taxi wieder weg. Völliges Unverständnis bei unseren Helfern. Warum bezahlen die den Preis nicht. Warum gönnen die uns die Provision nicht. Schön und gut, auch das 2. Taxi, das geholt wurde, verlangte einen unverschämten Preis.
 
Da man sich weigerte, noch andere Taxen von der Hauptstraße zu holen, machten wir, uns in der Dunkelheit auf, um zur Hauptstraße zu gelangen. Auch da hielten natürlich die Taxis an, denn  „zwei weiße Langnasen“  zahlen doch jeden Preis. Die Forderungen wurden immer unverschämter. Schließlich
Nahm uns ein Taxi für 200 Peso mit.
 
Um 2 Uhr nachts war ich endlich zu Hause. Alle Sachen klitschnass. Kurz unter die Dusche und dann ab ins Bett. Am anderen Morgen war ich doch wieder um 5.30 Uhr wach.
 
Ich machte mich langsam fertig, denn heute wollte ich versuchen die Boxen von Schwester Martilde (sie hat jedes Jahr Probleme, ihre Kartons zu bekommen) und die PHILGER- Kartons von der SM/Station abholen. Fuer10 Uhr hatte man uns den LKW versprochen.
 
Wieder wollten uns einige Taxifahrer nicht zur SM/Station fahren. Da versuchte ich es mit einem Trick. Ich sagte zwar Tondo, aber ich nannte den neu eröffneten SM-Hyper-Supermarkt als Ziel, der ja nur 800 Meter von der SM/Station entfernt ist. Das klappte dann auch.
 
Gut, diesmal waren wir zu spät, so dachten wir. Nein, nein, die Anderen kamen erst um 11.30 Uhr.
 
Da wir den Preis noch nicht wussten, sprach Prof. Zachau mit ihnen. Ich fiel aus allen Wolken: 7500 Peso (das ist der Monatslohn eines Polizisten). Da sich die Verhandlungen schon fast 2 Stunden hinzogen, platzte mir der Kragen. Ich ließ einiges übersetzen, nannte meinen Preis und gab ihnen 5 Minuten Bedenkzeit. Nach 10 Minuten akzeptierten sie mein Angebot. Also wollten wir die Sachen schnell aufladen. Aber, oh Schreck, wo waren die Helfer? Man erklärte uns, dass die jetzt erst etwas essen müssten. Gut in der Zwischenzeit sortierten Prof. Zachau und ich schon einmal die Kartons und die Sachen, die wir mitnehmen wollten und stellten einige schon mal an den LKW. Schließlich kamen die Helfer und der LKW wurde zügig beladen.
 
Nun ging es zu Sr. Martilde. Aber nur bis zur Hauptstraße. Dort hielten uns die ersten Polizisten an, sprachen mit dem Fahrer, dann ließ ich mich sehen: „O Padres, sorry“ hörte ich nur und wir konnten weiterfahren.
 
Was Sie wollten, war klar: Mittagessensgeld. Das ist hier normal. Haben die Polizisten Hunger, werden eben mal 2-3 Autos angehalten, bis man das Geld fürs Mittagessen zusammen hat (bei uns nennt man es Korruption) Sie müssen verstehen, ich war wieder nassgeschwitzt und hatte nur mein Unterhemd an und das Wichtigste: Ich hatte ein Kreuz um. Sie dachten, ich wäre ein Priester. Nach 800 Metern  kamen wir an eine große Kreuzung. Da in bestimmten Stadtteilen eine rote Ampel nur als Vorschlag akzeptiert wird, mussten wir mitten auf der Kreuzung halten, um einem „Rotfahrer“ Platz zu machen. Als wir dann wieder anfuhren, stürzten sich sage und schreibe fünf Hilfspolizisten auf uns und verlangten die Papiere. Wenn sie die Papiere verlangen, bedeutet das auf den Philippinen: Wenn sie einen 100, 200 oder gar einen 500- Peso Schein dazu tun, können sie natürlich weiterfahren, und die können zum Mittagsessen gehen. Hier zog mein Kreuz nicht. Aber als ich meine Kamera heraus holte, die Hilfspolizisten fotografierte und Prof. Zachau seine Legitimation zeigte, hauten sie mit Gemurmel alle ab und wir konnten dann Richtung Sr. Martilde weiterfahren. Zu allem Unglück fing es auch noch plötzlich an, wie aus Eimern zu regnen. Ohne einen weiteren Polizistenstop konnten wir jetzt bis Sr. Martilde zum Konvent durch fahren
 
Bei Sr. Martilde angekommen konnten wir zwar die Kartons unter einem Torbogen abladen, aber trotzdem waren einige nass geworden. Nach dem Abladen war dann Mittagessen angesagt, Sr. Martilde hatte es besorgt. Und die Leute bekamen ihr Fahrgeld und 100 Peso Lohn oben auf.
 
Was haben einige gesagt, bevor ich nach Manila flog: „Machste wieder Urlaub auf Kosten anderer“. Von wegen Urlaub.
 
Jetzt warten immer noch drei Probleme auf mich. Hoffentlich läuft es da besser.
 
Herzliche Grüße aus dem und schwül-heißen Manila
 
Ihr PHILGER - Vorsitzender aus Manila      Lutz Ruhloff

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