Natürlich bin ich gut in Davao angekommen und von Father Franke (Steyler Missionar) am Airport erwartet worden. Es waren drei Tage mit „Rundum-Betreuung“. Pater Franke hat mir sehr viel gezeigt und erklärt. Besonders begeistert hat mich der letzte Tag in Davao. Da besuchten wir ein Behindertenzentrum, in dem die Behinderten - wie hier bei uns - trotz Ihrer Behinderung handwerklich sehr aktiv sind.

Sie fertigen nicht nur ihre eigenen Rollstühle, Bein- und Armprothesen an sondern auch noch Gartenzäune, Tore usw. Besonders beeindruckt war ich von den Vorrichtungen, damit sie überhaupt arbeiten können. Der eine brauchte so was ähnliches wie eine Bahre, da er nur liegend arbeiten kann, ein anderer braucht einen fahrbaren Stuhl usw. Die Leute haben nicht gebettelt, aber ich habe selbst gesehen, was sie dringend brauchen. Zum Beispiel: einige einfache Kopf- und Handschweißspiegel, die dunklen und hellen Gläser dafür, Schlackehämmer, Drahtbürsten, 2-2,5 m Elektroden und einen kleinen Schweißapparat. Ansonsten hatte mir Davao nicht viel Touristisches zu bieten, nur dass man auch dort die Armut sieht, wenn man die Augen auf macht. Der Rückflug nach Manila war reibungslos.

Mein erster Weg war zu Sr. Martilde. Da war zu der Zeit noch alles ok. Nur dass einige Kinder immer noch die TBC auskurieren und wegen der Unterernährung aufgepäppelt werden mussten, damit sie überhaupt operiert werden konnten.

Der Aufenthalt in Manila war sehr kurz, denn am anderen Morgen wollte mich Father Archie zu einem Trip nach Bicol abholen. Hätte ich besser vorher gefragt, wo Bicol liegt und wo wir überhaupt hinfahren. Aber das Drama nahm am anderen morgen seinen Lauf. Fast pünktlich (mit nur einer Stunde Verspätung, und das ist für Father Archie eine gute Leistung) holte er mich am Apartment ab. - Im Auto erfuhr ich dann, wo hin wir fahren und warum. Unser Ziel war Tiwi, etwa 40 km von Legaspi entfernt; Legaspi ist ca. 500 km von Manila entfernt. Ich rechnete es mir schnell aus und fragte Father Archie: „Father es sind fast 12 Std. Autofahrt und das wegen einer Messe?“ Er bestätigte mir dies. Wir waren 13 Std. unterwegs. Dann noch eineinhalb Std. im Haus des Priesters, der in seinem Heimatort seine erste Heilige Messe nach der Weihe feiern wird. Danach zur Unterkunft. Es war mittlerweile 2 Uhr nachts. Kurz: Keiner konnte in dieser Nacht ein Auge zu tun, denn der Wind heulte fast unerträglich durch das Haus. Um sechs Uhr am Morgen trafen wir uns vor dem Hotel und fuhren wieder zum Elternhaus des Priesters. Während des Frühstücks gab es laute Musik. Es war die Schulkapelle mit den Tanzgirls, die angekommen waren. Ich schaute Father Archie fragend an, und er erklärte mir, dies gehöre dazu.

Um 9 Uhr ging dann die Prozession Richtung Kirche und immer mehr Gläubige schlossen sich der Prozession an. Um 10 Uhr begann die Primiz messe und die Kirche war überfüllt. Nach der Messe ging es zum Elternhaus zurück und wieder gab es etwas zu essen. Father Archie erklärte mir eine Änderung der Planung. Wir werden nach dem Essen zu seiner Schwester (Nonne bei den Benediktinerinnen) nach Legaspi fahren, dort die Schule besichtigen und anschließend zum aktiven Vulkan Mayon (nur Rauch). Natürlich hatte ich Pech, denn der Vulkan war bis zur Hälfte in den Wolken. Dort erklärte mir Father Archie wieder eine Änderung. Nach dem Essen in der Schule fahren wir sofort nach Hause. Das heißt: eine Nachtfahrt. Ich war skeptisch, denn unser Fahrer hat dasselbe Programm wie wir absolviert, also auch nicht geschlafen. Kurzum, wir kamen um fünf Uhr Morgens in Manila an,  also ca. 50 Std.. auf den Beinen. Der Fahrer und ich waren k.o.,  denn ich kann weder im Auto noch im Flieger schlafen. Jetzt hatte ich einen Tag Zeit,  mich auszuruhen, denn die letzte Etappe der Reise stand auf dem Programm: Palawan - Dass diese Reise teilweise noch turbulenter würde als der Trip nach Bicol, ahnte ich noch nicht.

In Poerto Princesa (Insel Palawan) angekommen, holten mich nicht nur einige Mitglieder vom Palawan-Chor ab sondern auch ein Helfer vom Bischof Juanich und sein Fahrer.

Zuerst fuhren wir in die City, um zu frühstücken, denn ich hatte mächtigen Hunger. Danach ging es zum Seminar, wo ich untergebracht werden sollte. Zu meiner Überraschung stand Bischof Juanich mit einigen Priestern in der Tür und hieß mich herzlich Willkommen.

Ja, das wurde auch so ein eigenartiger Sonntag. Vier Messen habe ich an diesen Tag erlebt. Die erste war morgens in Manila auf den Flugplatz. Die zweite Messe um 18 Uhr, weil der Palawan-Chor sie mitgestaltete. Die dritte Messe um 19 Uhr, weil Bischof Juanich sie zelebrierte. Die vierte Messe war eine Totenmesse für die Mutter (86) von Father Levoy abends um 21:30 Uhr. Nicht nur, dass sie in der kleinen Küche aufgebahrt lag, zwei Bischöfe und noch ca. 15 Priester feierten die Totenmesse. Das war für mich neu. - Ich stelle mir das in Deutschland vor. Eine Utopie. -

Am anderen Morgen brachen wir dann Richtung Taytay auf, zu der Stadt wo der Bischof sein Sitz hat. Nach ca.
30-minütiger Fahrt erklärte mir der Bischof, dass wir einen kleinen Abstecher nach Port Barton machen, da es dort keinen  Priester gibt, und er dort eine Messe zelebrieren möchte; es sind nur 22 km.


6)         Ich sage Ihnen. das waren 22 km, die in sich hatten. Wir brauchten 3 Std. Das war keine Strasse, das war kein Feldweg sondern ein Weg voller Löcher und tiefe Fahrrinnen. So alle 100 Meter Löcher wie von Granateneinschlägen Manchmal glaubte ich, jetzt geht es nicht mehr weiter. Dabei hatten wir noch Glück, es hatte nicht geregnet und die Fahrrinnen (manchmal 200-500 m lang und bis 1m tief) waren zwar schlammig, aber nicht bis oben voll Wasser, und so konnte man noch  sehen wo man hin fährt.

In Port Barton wurden wir stürmisch empfangen. Zimmer waren vorbereitet und das Essen stand schon auf den Tisch. Nach einem kurzen Schwimmen legte ich mich etwas hin, den ich war einfach kaputt..

Am anderen Morgen sollte um 7 Uhr morgens die Messe sein. Aber um 8:30 Uhr konferierte der Bischof immer noch mit dem anwesenden Gemeinderat. Dann hörte ich den Bischof rufen: „Tito Lutz (Onkel Lutz) bleib hier, komm nicht zur Messe!“. Eine halbe Stunde später wusste ich auch warum. Eltern mit kranken Kindern kamen und baten um Hilfe. Drei Kinder habe ich ausgesucht, denen wir eventuell helfen können. - Da der Bischof um 11:30 Uhr noch immer nicht zurück war, ging ich zur Kirche. Der Bischof nahm den Kindern, die zur Erstkommunion gehen, die erste Beichte ab. Ich verdrückte mich lieber. Wer weiß, wer nach mir rufen würde. Nach dem Mittagessen fuhren wir auch bald los. Da es bei uns nicht geregnet hatte war ich guter Dinge.

Pustekuchen! Nach den ersten Passrücken sah ich die Bescherung: Es hatte die Nacht über geregnet. Es waren also nicht die Wellen, die ich in der Nacht hörte, sondern heftiges donnern. - Diese Fahrt werde ich so schnell nicht vergessen. Ich saß ja immer auf den Beifahrersitz, und schauen Sie mal nach draußen, wenn der Wagen rutscht es 300, 400 Meter seitlich abwärts geht. Keine Leitplanken, nichts was das Auto aufhalten könnte. Glauben Sie mir, ich war nass geschwitzt, aber von wegen Hitze, sondern es war pure Angst, ich hatte vorne im Wagen Angst, und hinten schlief der Bischof seelenruhig.

Hinter einer Kurve ging es nicht mehr weiter. Vor uns war ein Jeep umgekippt. Man konnte ihn zwar wieder aufrichten,  aber er sprang nicht mehr an. Man musste auf einen großen Jeepney warten, denn wir kamen nicht vorbei. Alle schimpften auf den korrupten Gouverneur (was auch nicht weiter half). Nach 3:1/2 Std. kamen wir endlich auf eine vernünftige Strasse.

Später machten wir noch kurzen Stop in Roxas, wo Father Boy eine neue Kirche baut. Da er nicht da war, blieben wir nicht sehr lange, denn ca. 90 km Fahrt lagen noch vor uns und man sagte mir, es wäre nicht die beste Straße. Dies merkte ich dann auch. Nach ca. 50 km bog der Wagen auf einmal links in eine Seitenstrasse ab, die aber nicht nach Taytay führt. Bischof Juanich brummte etwas vor sich hin, und ich verstand nur „Kinder mit Problemen“. Gott sei Dank waren es nur 150 m von der Hauptstrasse entfernt. Als wir ausstiegen begrüßte uns ein alter Bekannter. Es war Father Ed, den ich von anderen Touren her kannte. Auch hier stand Essen bereit.

Ich kam gar nicht zum Essen. Auf einmal bog eine Mutter mit ihrer Tochter um die Ecke, und da verging mir der Appetit. Es war Jallyme Jalanto (16 Jahre alt) mit ihrer Mutter. Glauben Sie mir, das Mädchen sah schlimm aus. Sie hatte ein total   entstelltes Gesicht. Ich erfuhr ihre Geschichte, und das Tragische ist: Jallyme leidet auch noch an Epilepsie. Da man kein Geld mehr für die notwendige Medizin, bezahlte ich erst einmal für drei Monate Medizin, und wir kamen mit dem Bischof überein, dass sie erst einmal in Poerto Princesa einen Check up machen sollte.

Spätabends kamen wir in Taytay an. Nach dem Essen ging ich gleich schlafen, so fertig war ich. Ich ignorierte den Ventilator, und ich ignorierte auch das Moskitonetz. - Das sollte ich bitter bereuen. Am anderen Morgen war ich übersät von Moskitostichen. Gut, dass Frau Ruhloff das nicht gesehen hat.

Nach dem Frühstück gingen wir zur Patenschule der Kardinal-von-Galen-Schule aus Oberhausen. Dort erwartete man uns schon, um Danke zu sagen für die stete Unterstützung und die 300 € Spende der Kardinal-von-Galen-Schule. Danach machten wir uns auf den Rückweg nach Porto Princessa. Kurz vor Roxas roch es nach verbrannten Gummi, und ich bemerkte Rauch aus dem Armaturenbrett aufsteigen. Der  Fahrer hat es weder gerochen noch gesehen. Massiv musste ich ihn darauf aufmerksam machen. Da bekam er dann doch Panik. Wie auf den Philippinen typisch, hält man da an wo man gerade ist. Bei uns war es eine Bergkuppe und mitten auf der Strasse. Nach meinen  Einwand schoben wir das Auto dann doch zum Straßenrand. Ursache war eine zu heiß  gewordene Sicherung.
In Roxas ließ der Bischof auf mein Anraten einen kleinen Check up für den Wagen machen, während wir das Mittagessen zu uns nahmen. Nach dem Mittagessen fuhren wir dann weiter Richtung Porto Princessa. Ohne Ärger kamen wir abends dann in der Stadt an.

Um 19 Uhr traf ich mich noch einmal zu einer Besprechung mit dem Palawan-Chor (Tournee 2009). Wir konnten einige Punkte klären die ich noch in Deutschland mit Freunden besprechen muss..


7)      Am anderen Morgen war zu meiner Überraschung auch Father Roberz im Seminar. Bischof Juanich, Father Roberz und einige Mitglieder vom Palawan-Chor brachten mich dann zum Flughafen. Da ich Abschiedsszenen nicht mag, war ich schnell im Flughafengebäude verschwunden. Der Flug nach Manila war reibungslos.

In Manila erwartete mich schon Father Archie am Flugplatz, um mit mir nach Cavite zu fahren, denn da hatten wir einen wichtigen Termin. Es ging um ein Grundstück für ein neues Waisenhaus. Das alte platzt aus allen Nähten und hat auch draußen nur ca. 40 qm zum Spielfkäche. - In Cavite angekommen erwartete uns schon der Verkäufer, und wir fuhren gemeinsam zum Grundstück. Es war ein sehr großes, an einer Strasse gelegenes, Grundstück. Father Archie war sehr interessiert und wir verabredeten, dass sich Father Archie mit seinen Leuten beraten soll. - Wie es im Leben nun einmal ist, man muss auch Glück haben. Später bekam Father Archie ein ca. 800 qm großes Grundstück von philippinischen Sponsoren geschenkt, zwar nicht direkt an einer Strasse, aber trotzdem gut gelegen und ohne Auflagen.

Von Cavite ging es dann sofort wieder nach Tarlac, um an der Aufnahme von neuen Priestern (sie bekommen da auch ihre Mönchsnamen) dabei zu sein.

Über Ostern war ich dann oben in der Provinz Pangasinan, und zwar in St. Fabian. Es sollte eine erholsame Woche werden. Pustekuchen, sie war sehr anstrengend, da fast die ganze Nacht die Karaoke-Anlagen in Betrieb waren. Aber das Schlimmste war: Durch die Vorankündigung meines Besuches von Mama Tesch, wer da kommt, hatte ich auch hier keine Ruhe vor Bittstellern.

Am 2. Tag morgens bekam ich dann auch die traurige Nachricht, dass Jerico gestorben ist. Einerseits war ich sehr traurig. drei Jahre haben wir Jerico begleiten dürfen. Anderseits war ich auch froh, die Quälerei für ihn hatte ein Ende.

Abends kam eine Mutter mit ihrer Schwester zu mir und weinte bitterlich. Ihr Sohn hatte einen Unfall und brauchte dringend Geld für die Operation. Sonst müsste  der rechte Arm verkrüppelt bleiben. Sie hatte auch ein Schreiben vom Rathaus, das sie als hilfsbedürftig auswies und ihr erlaubte, Spenden zu sammeln. Eine Spendenliste war als Anhang dabei . Ich warf einen kurzen Blick drauf und war entsetzt. Obwohl es eine reiche Gegend war, war keine Summe über 100 Peso. Ich gab ihr erst einmal etwas Geld und bat um ein Foto. Die beiden Frauen zuckten mit den Schultern und erklärten mir: ,,No Camera,!“. Man lud mich ein, am anderen Tag mit zum Krankenhaus zu fahren, und ich nahm unwissend die Einladung an.

Am anderen Morgen stand ein Dricycle vor meiner Tür. Ich nahm an, dass das Hospital  kurz um die Ecke sei. Von wegen, es war eine 30-minütige Fahrt nach Dagupan. Wir gingen in das Zimmer wo der Junge lag, und ich sah das Elend. Der Arm war noch im Streckverband und das Kontergewicht war eine 5 Liter Wasserflasche. Draußen erklärte ich dann der Mutter, dass ich die Operationskosten übernehmen werde. Sie rannte sofort zum Ärztezimmer, um dort Bescheid zu sagen.

Nach dem ich in St. Fabian zurück war, musste ich mich erst einmal etwas ausruhen, so anstrengend war der sogenannte Urlaub  für mich in dieser Hitze. Pünktlich holte mich Father Archie von St. Fabian ab und brachte mich nach Manila.

In Manila traf ich mich noch öfter mit Sr. Martilde, um mich über die laufenden Behandlungen zu informieren. Einige Kinder,  die operiert waren, hatten Manila schon verlassen. Mit den Kindern und ihren Eltern, die noch in Manila waren, veranstalten wir am 4.4.08 eine Abschiedsparty, damit ich die Kinder noch mal sehen konnte.

Natürlich tut der Abschied immer ein wenig weh, aber nach so langer Zeit freut man sich auch auf zu Hause und die Familie. Father Archie brachte mich zum Flugplatz und beauftragte mich noch einmal, allen Sponsoren herzlichst zu danken.

Unterwegs in Dubai erhielt ich dann die traurige Nachricht, dass unser Schützling Marianne Rabacal, die an Leukämie erkrankt war, verstorben sei.

Dies waren im Großen und Ganzen meine Erlebnisse auf den Philippinen.

Abenteuerurlaub brauche ich nicht extra zu buchen, davon habe ich auf meiner Besichtigungstour genug.

Herzliche Grüße  Ihr Lutz Ruhloff

Besucher seit dem 25.07.2011